Brief der Woche

Christel Voßbeck-Kayser, CDU-Kandidatin im Märkischen Kreis

Liebe Christel Voßbeck-Kayser,

ich schreibe Ihnen einen Brief, damit Sie sich freuen. In Zeiten des Wahlkampfs hat man ja vor lauter Arbeit weniger zu lachen, muss um jede Stimme kämpfen, fortwährend freundlich auftreten und versuchen den Konkurrenten und Konkurrentinnen einen Schritt voraus zu sein. Der Weg in den Bundestag ist steinig, um dort einen Fuß in die Tür zu bekommen braucht man jede Stimme. Wahlplakate, Wahlstände in der Innenstadt, Flyer, die neun Wahlkreise sollen wissen dass es Sie gibt. Die glorreiche Idee eine Geocaching-Schatzsuche zu initiieren ist wohl auch dazu gedacht mehr Kreuze auf den Wahlzetteln neben dem eigenen Namen zu bekommen.

Wenn der Kandidat nicht zum Wähler kommt, muss der Wähler eben zur prallgefüllten Wahlwerbeschatztruhe an landschaftlich toll gelegenen Orten kommen. Welch geniale Idee auch noch die Technikinteressierten zu erreichen und gleichzeitig in die Natur zu locken. Natürlich muss der Schatzsucher nicht, wie beim Geocaching sonst üblich, als Ausgleich wieder etwas in die Truhe hineinlegen, was würde denn auch eine Politikerin mit einem Haufen Ü-Ei-Figuren anfangen wollen.

Wenn Sie in letzter Zeit die Presse verfolgt hätten, wäre Ihnen sicher auch der vielzitierte dpa-Artikel aufgefallen, welcher schon im Titel aufzeigt dass GPS-Schnitzeljäger die Umweltschützer verärgern. Meine Hochachtung, als eine Person des öffentlichen Interesses sich auf eine Stufe mit Menschen zu stellen, die anscheinend Fledermausquartiere stören, Höhlenretter in Gefahr bringen, gefährdete Tiere in Ruhezonen beunruhigen und nebenbei die Natur mit ihrem Müll belasten, das erfordert wirklich einiges an Mut oder Sie haben noch vor den Medien erkannt, dass Geocacher doch keine so schlechten Menschen sind wie sie die Presse darstellen möchte. Sicher haben Sie als verantwortungsvolle Frau und Politikerin bei der Wahl der Verstecke auf den Schutz der Natur des landschaftlich toll gelegenen Ortes geachtet und alles daran gesetzt dass der, auf CDU-Wahlfähnchen stehende Mob, nicht quer durch die Botanik bricht und Geocaching wieder einmal mehr als Übel der Spaßgesellschaft dasteht.

Dass man mit diesen Geldern, die die Aktion kostet bzw. gekostet hat, sinnvollere Dinge hätte tun können, ist unbestritten. Tierheime kämpfen um Spenden um die Flut an ausgesetzten Tieren zu versorgen, unterzubringen und vermitteln zu können, Spielplätze können aufgrund fehlender Gelder nicht saniert und sicher gemacht werden, Obdachlose frieren im Winter auf den Straßen, Kinderarmut nimmt immer mehr zu, die Wirtschaftskrise wird immer mehr auf den kleinen Mann abgewälzt, uvm. Es gibt so viele Möglichkeiten mit Hilfsaktionen, die jeder rational denkende Wähler wohlwollend zur Kenntnis nehmen würde, unter dem Strich wesentlich mehr zu bewegen als nur ein paar Stimmen zu ergattern. Es müssen doch nicht immer sinnfreie Aktionen sein von denen keiner etwas hat außer etwas Spaß und irgendwelchem Tünnes, der sowieso irgendwann in der Tonne landet und zum Abschluss der grandiosen Wahlaktion auch noch die Umwelt belastet.

Unter Politik verstehe ich auch die Wahl und die damit verbundenen Aktionen, allerdings steht diese Aktion, rational betrachtet, irgendwie im Widerspruch mit dem CDU-Wahlspruch „Mit Herz und Verstand“.

Und deswegen grüße ich Sie auch ganz irrational, – aber herzlich

Ihr Fan

JR849

Autor:
Datum: Mittwoch, 9. September 2009 15:00
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8 Kommentare

  1. 8

    Hossa, da ist beim Bearbeiten der Link flöten gegangen. Jetzt ist er drin.
    @Elli: Geocaching scheint bei der CDU grad wohl der Renner zu sein. Da sollte mal jemand eine mail zwecks Logomissbrauch über den großen Teich schicken.
    @Yrcko: Sorry, jetzt versteh ich auch deinen Kommentar zwecks fehlendem Link.

  2. 7

    Sollte es eine Antwort geben – was ich leider nicht glaube – hoffe ich doch, daß sie hier veröffentlicht wird.
    Ansonsten schließe ich mich meinen Vorschreibern an… Schön geschrieben.
    Frage mal so am Rande: Die gute Frau wußte darüber Bescheid, daß sie Wahlkampf mit Geocaching macht? Oder war das so eine Idee von einem Medienteam und sie weiß mit dem Brief gar nix anzufangen?

  3. 6

    Mich würde ja mal interessieren, ob da existierende Caches genutzt werden, oder ob eigens ausgelegte Dosen mit ihrem Werbematerial gefüllt werden…
    Wäre wahrscheinlich keine schlechte Idee, mal ne SMS hinzuschicken, wenn sie schon ne Nummer bekannt gibt…
     
    Für die, die den Link noch suchen: http://www.cdu-reken.de/lokal_1_1_16_Geocaching-mit-der-Jungen-Union.html
     
    Gruß, ElliPirelli

  4. 5

    Klasse geschrieben. Ob allerdings eine Antwort zu erwarten ist, glaube ich kaum.

  5. 4

    Ich habe die Frau letzte Woche schon mal angeschrieben. Wie erwartet kam keine Reaktion. Villeicht lag das daran das ich grüner Kommunalpoiltiker bin und du bekommst da eher eine Reaktion.
     

  6. 3

    Ja, witzig geschrieben. Aber da ich kein Insider bin, würde ich mich auf einen Hinweis freuen, worauf sich der Kommentar bezieht. Optimal wäre ein link.

  7. 2

    autsch

  8. 1

    …wunderschön formuliert…
    es ist doch schön bestandteil der politischen spaßgesellschaft zu sein… ;)