Die Dose im Naturschutzgebiet

nsgMan findet eine nette Location, sucht sich ein passendes Versteck für die Dose und veröffentlicht den Cache bei GC.com oder OC.de. So oder so ähnlich geschieht es täglich überall in Deutschland. Bevor man aber überhaupt daran denkt einen Cache auszulegen, sollte man sich die Location genauer betrachten.
Schon so manch einem Owner hat es, Wochen nachdem die Dose freigegeben wurde, angesichts der verschandelten Natur vor Ort, (beinahe) die Sprache verschlagen. Die Cachergemeinde ist stark angewachsen, so mancher Cache hat schon nach kürzester Zeit mehrere Dutzend Logs auf dem Zähler. Bei der Suche nach der Dose, geht nicht jeder Cacher zimperlich mit der Natur um. Frei nach dem Motto: „Nur ein kurzer Weg ist ein guter Weg“ wird einfach mal querfeldein/querwaldein gelaufen, um anschließend im Unschärfebereich des GPS-Geräts die Natur zu zerpflücken. In vielen Fällen sind aber auch die Owner, an dem von Geocachern verübten „Verbrechen an der Umwelt“ mit Schuld. Caches in sensiblem Gebiet, kein Spoiler, kein Hint, fieses Versteck, Naturdenkmal zum Zerpflücken benutzt, etc. Manches Mal muss man fast schon von grandioser Dummheit oder beinahe von Vorsatz ausgehen. :-|
Da braucht man sich nicht wundern, dass die Presse vermehrt negativ über Geocaching berichtet, Jäger und Förster sich in Foren auskotzen und es immer öfter zu Zusammenstößen zwischen Cachern und Naturschützern jedweder Art kommt. Wenn ich mir so manche Diskussion im Geoclub-Forum ansehe, bin ich manches Mal beinahe beschämt, ein Cacher zu sein. Da wird rücksichtslos gewütet, anschließend noch gemotzt und anonyme Mails mit Beleidigungen und Beschimpfungen an Leute geschickt, die sich Gedanken machen oder gar etwas tun wollen.
Wie es in den Wald hineinruft…
logbucheintragjagdpachterBei einer, meiner zwischenzeitlich archivierten Dosen, hatte sich ein Jäger, im Gegensatz zu manch anderen Kollegen, im Logbuch verewigt und irgendwie hatte er mit seiner Aussage nicht ganz Unrecht.

Aber wenn menschliche Interessen im Spiel sind, hat die Natur bereits verloren, leider.

Nein, ich wähle nicht Grün, aber ich denke wir sollten uns in Zukunft etwas am Riemen reissen, erst überlegen und dann mit Dosen um uns werfen, lieber mal den Multi auf öffentlichen Wegen durch das Naturschutzgebiet legen und ein Versteck außerhalb wählen. Wenn es bei einer Dose Probleme in Sachen Naturschutz gibt, lieber mal einen Cache archivieren, anstatt auf seine Rechte zu pochen (wie auch immer die im Einzelnen aussehen mögen) und für noch mehr Unmut unter den Betroffenen zu sorgen.
Wo wir endlich beim Thema Naturschutzgebiet wären:

Ein Naturschutzgebiet ist die strengste Schutzform, die das Naturschutzgesetz vorsieht. Für jedes Naturschutzgebiet gelten individuelle Regelungen, die in einer speziellen Rechtsverordnung festgelegt sind. Man kann also nicht generell sagen: „In Naturschutzgebieten ist das Verlassen der Wege verboten“ oder ähnliches – die einzelne Verordnung regelt, was gilt. Selbst innerhalb mancher Naturschutzgebiete gelten unterschiedliche Gebote und Verbote; die Beschilderung an Ort und Stelle gibt dann wider, was die Verordnung bestimmt.

Quelle: Naturschutzgebiete, Regierungspräsidium Stuttgart

naturschutzgebietebwKein Naturschützer wird auf die Barrikaden gehen, wenn die Dose direkt am Wegrand liegt. Wer meint, seinen Cache, ohne Rücksicht auf Verluste, weiter in den Wald werfen zu müssen, hat aber definitiv den Schuss nicht gehört.
Wer nicht weiß, wo sich Naturschutzgebiete befinden, eine Kartenansicht mit eingezeichneten Naturschutzgebieten von Baden-Württemberg (oder auch von ganz Deutschland), gibt es ebenso im Internet, wie eine Erklärung zu Naturschutzgebieten und eine Liste mit Ansprechpartnern für die Gebiete im Zuständigkeitsbereich des RP Stuttgarts inklusive Telefonnummern.
Die Tage werde ich meine Caches überprüfen und eventuelle Jugendsünden einsammeln, auf jeden Fall besser als gar nichts zu tun.
Vielleicht schaffen wir es ja irgendwann, ohne einen „Deutschen Geocaching Verband“ oder weitere Positionspapiere und den damit verbundenen Diskussionen, weniger rücksichtslos im Umgang mit der Natur unsere Punkte zu sammeln.

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Datum: Freitag, 22. Januar 2010 21:50
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8 Kommentare

  1. 8

    JEDER Verband natürlich bezogen auf das Cachen!

  2. 7

    um es ganz klar und deutlich zu sagen

    JEDER, wirklich JEDER Verband ist fürn Arsch!

    1. die Geocacher sind viel zu verschieden.
    2. bis auf den Promillebereich der Blogger, Podcaster und ähnlichen interessiert die große Mehrheit der ganz Mist überhaupt nicht, die wollen einfach nur cachen und das werden sie auch ohne jeden Verband, Verein oder sonst was!

    woher kommt eigentlich dieser Reflex für jeden Mist einen Verband gründen zu wollen? Möglichst noch in Uniform und mit Liedchen vorm Loggen?

    Sorry für die derben Worte, aber mir steht jedwede Vereinsmeierei bis Oberkante Unterlippe…

  3. 6

    THX,
    100 % Zustimmung und ja ich hoffe man setzt das Positionspapier positiv um. Wenn wir das alle taeten, haetten wir es wohl nicht und man muesste auch nicht ueber eine Buendelung der Kraefte im Sinne eines Verbandes nachdenken. Die Erfahrung in anderen Laendern zeigt aber das der Trend da eher Richtung plattformunabhaengigem Verband laeuft.
    Wir werden sehen wie und ob wir das schaffen.
    Alpini

  4. 5

    Mit grossem Interesse gelesen – Ich habe bisher noch keinen Cache gelegt, weil ich mir bisher überlegt habe, wie die Aufgabe aussehen kann, aber jetzt habe ich noch einen weiteren Punkt gefunden, den ich beim Cachelegen berücksichtigen werde.

    Danke für den Post

  5. 4

    Huhu,
    finde Deinen Artikel sehr gut und stimme Dir in allem zu.
    Und was mich ärgert, seid dem ich mich dem Thema gewitmet habe, werde ich massiv per Kommentar beleidigt. Die Beleidigungen ziehen auch andere Artikel von mir in Mitleidenschaft, deswegen habe ich aktuell, den Kommentar einer sogenannten Claudia nicht gelöscht, sondern ihn freigegeben.

    Ich finde es schon beschämend, wenn wildfremnde Personen, die nicht gezwungen werden meinen Blog zu lesen, mich beleidigen! Hallo?
    ————————————————
    Ein negativ Beispiel zur mutwillen Zerstörung habe ich auch. Neulich, war ich an einer schönen, in Stein eingefassten Quelle. Der Cache war allerdings nicht mehr da und die Quelle völlig demoliert. Mein Hinweis/Log an den Owner, wurde darauf hin gelöscht. So einfach geht das.

    Martina mit Gruß

  6. 3

    Zum Glück sind die in den Karten ausgewiesenen Naturschutzgebiete in unserer Gegend nur sehr wenige und auch relativ klein.
    Warum allerdings ausgerechnet ein Truppenübungsplatz dazu gehört, erschließt sich mir nicht so ganz…

    Was das Befahren von asphaltierten Wegen bei Durchfahrt verboten angeht: Da kann ich nun nicht den Aufstand verstehen. Klar, wenn das als Abkürzung der Einheimischen oft und gerne genutzt wird, ist das nicht so toll. So eine Straße haben wir auch an unserem Feld langführend. Da ist morgens regelrechter Berufsverkehr. Aber Anlieger frei… Wenn ein Landwirt nach seinem Feld guckt, wird er das auch motorisiert machen und nicht extra hinlaufen…

    Die Frage ist dann doch auch, warum ein Cache so „verkehrsgünstig“ liegen muß, daß man Leute verleitet, die Anliegerstraße unberechtig zu nutzen.

    Gruß, Elli

  7. 2

    tja, was soll man dazu noch sagen, Omabande hat es ja schon auf den Punkt gebracht. Das einzige was jeder einzelne Cacher tun kann, es besser machen und/oder solch sensiblen Gebiete mit Döschen rigeros zu meiden. Am besten noch eine Write note online dazu und vehementauf den Misstand hinweisen.Gegebenefalls dem Reviewer noch eine Meldung machen, die dann den Owner gezielt angehen/-schreiben bzw. die Dose aus dem Verkehr ziehen.

    Ich von meiner seite aus werde weiterhin versuchen die Natur so schonen wie möglich zu behandeln. Ich möchte meinen Kindern wenn möglich eine intakte Natur (soweit es mir möglich ist) hinterlassen, damit die mir süäter nicht Vorhaltungen machen müssen.

    Ach ja JR, ich wähl auch nicht grün, ich lebe nach dem Motto: Die Natur kann ohne mich sehr gut auskommen, aber ich nicht ohne Natur.

  8. 1

    Ich stimme Dir vollkommen zu!
    Letzten Sommer wollten wir eine Dose ganz in der Nähe heben. Ab ins Cachemobil und los. Das GPS zeigte von der Strasse weg ins Gelände zu einem Weg der uns mit einem fröhlichen „Durchfahrt verboten“-Schild begrüsste. Also parkten wir unser Auto woanders und machten uns auf den Weg. Wir wurden mitten in ein deutlich ausgewiesenes Vogelschutzgebiet gelotst und mussten erschüttert feststellen dass anscheinend viele Cacher bis hier mit dem Auto vorgefahren sind, denn die Wiese sah aus wie Arsch und Friederich. Voller Reifenspuren und tiefen Rillen. Der Cache war dann ein Filmdosenmikro direkt am Schild „Naturschutzgebiet“. Manche Menschen gehen wirklich unverantwortlich mit der Natur um.